Teil 26 des 35-teiligen Tutorial: Vom Handyknipser zu fortgeschrittenen Hobbyfotograf
Du hast vielleicht schon einmal die Einstellung RAW oder JPEG in deiner Kamera entdeckt und dich gefragt, welche du wählen solltest. Für viele Einsteiger*innen wirkt diese Entscheidung kompliziert, dabei ist sie gar nicht so schwer. Beide Dateiformate haben ihre Stärken und Schwächen. In diesem Beitrag erfährst du verständlich erklärt, worin sich RAW und JPEG unterscheiden, wann welches Format sinnvoll ist und warum die Wahl des richtigen Bildformats deine Fotografie langfristig verbessern kann. Mit praktischen Übungen und einer Mini-Challenge lernst du, die Vorteile beider Formate selbst zu entdecken.
Im letzten Beitrag hast du erfahren, wie du Filter und Bildlooks bewusst einsetzt, ohne deine Fotos künstlich wirken zu lassen. Dabei stand im Mittelpunkt, dass eine gute Bildbearbeitung das Motiv unterstützt und nicht überdeckt. Genau an diesem Punkt spielt auch die Wahl des richtigen Bildformats eine wichtige Rolle. Denn je mehr Bildinformationen gespeichert werden, desto mehr Möglichkeiten hast du später bei der Bearbeitung. Wenn du den vorherigen Beitrag noch einmal lesen möchtest, findest du ihn hier: https://digitalfotos-bearbeiten.de/filter-und-bildlooks-richtig-einsetzen-mehr-wirkung-ohne-kuenstliche-effekte/
Was sind RAW und JPEG überhaupt?
Jedes digitale Foto wird als Datei gespeichert.
Dabei stehen dir bei den meisten Kameras mindestens zwei Formate zur Verfügung:
- JPEG
- RAW
Beide enthalten dein Foto – allerdings auf unterschiedliche Weise.
Ein JPEG ist bereits fertig verarbeitet.
Die Kamera übernimmt automatisch viele Aufgaben wie:
- Schärfung
- Farbanpassung
- Kontrast
- Rauschreduzierung
Ein RAW hingegen ist das digitale Negativ deiner Aufnahme.
Es enthält nahezu alle Bildinformationen, die der Kamerasensor aufgenommen hat.
Dadurch bietet es deutlich mehr Möglichkeiten für die spätere Bildbearbeitung.

Warum JPEG so beliebt ist
JPEG ist das Standardformat nahezu aller Kameras und Smartphones.
Das hat gute Gründe.
JPEG-Dateien sind:
- deutlich kleiner
- sofort nutzbar
- schnell gespeichert
- einfach zu teilen
Du kannst sie direkt:
- per Messenger verschicken
- auf Social Media hochladen
- ausdrucken
- per E-Mail versenden
Für viele Alltagssituationen reicht JPEG deshalb vollkommen aus.
Die Vorteile von RAW
RAW-Dateien speichern wesentlich mehr Informationen.
Das macht sich besonders bemerkbar, wenn ein Foto nicht perfekt gelungen ist.
Du kannst beispielsweise:
- dunkle Bereiche aufhellen
- helle Bereiche zurückholen
- den Weißabgleich korrigieren
- Farben präziser anpassen
- Bildrauschen besser reduzieren
Gerade schwierige Lichtsituationen profitieren enorm von RAW.

Warum RAW-Dateien größer sind
Mehr Informationen benötigen mehr Speicherplatz.
Während ein JPEG vielleicht nur fünf bis zehn Megabyte groß ist, kann eine RAW-Datei je nach Kamera problemlos 30 bis 60 Megabyte oder sogar noch größer sein.
Das bedeutet:
- größere Speicherkarten
- längere Sicherungszeiten
- mehr Platz auf der Festplatte
Deshalb solltest du dir überlegen, ob du diesen zusätzlichen Speicherbedarf wirklich benötigst.
Wann JPEG die bessere Wahl ist
Nicht jedes Foto muss umfangreich bearbeitet werden.
JPEG eignet sich hervorragend für:
- Familienfeiern
- Schnappschüsse
- Urlaubsbilder
- Vereinsveranstaltungen
- Fotos für soziale Netzwerke
Wenn du mit dem Bild direkt zufrieden bist, bietet JPEG viele Vorteile.
Du sparst Zeit und Speicherplatz.
Wann RAW seine Stärken zeigt
RAW lohnt sich besonders bei Motiven mit schwierigen Lichtverhältnissen.
Zum Beispiel:
- Sonnenuntergänge
- Nachtaufnahmen
- Landschaften
- Architektur
- Porträts im Gegenlicht
Hier kannst du später oft erstaunlich viele Details retten, die im JPEG bereits verloren wären.

Kann RAW bessere Fotos machen?
Diese Frage höre ich häufig.
Die Antwort lautet gang klar:
Nein. RAW macht keine besseren Fotos.
Ein schlecht komponiertes Bild bleibt auch als RAW eine schlechte Aufnahme.
RAW bietet dir lediglich mehr Spielraum bei der Bearbeitung.
Die eigentliche Fotografie findet weiterhin beim Fotografieren statt.
RAW braucht eine Bildbearbeitung
Ein wichtiger Unterschied:
RAW-Dateien sehen direkt nach der Aufnahme oft etwas flach aus.
Das liegt daran, dass sie noch nicht entwickelt wurden.
Sie benötigen fast immer eine Nachbearbeitung.
JPEG-Dateien wirken dagegen meist sofort kräftiger und kontrastreicher.
Lass dich davon nicht täuschen.
In den RAW-Dateien steckt oft deutlich mehr Potenzial.
RAW + JPEG – die perfekte Kombination?
Viele Kameras bieten einen praktischen Kompromiss:
Du kannst gleichzeitig RAW und JPEG gleichzeitig speichern.
Das bringt mehrere Vorteile:
- JPEG für schnelles Teilen
- RAW für spätere Bearbeitung
Allerdings steigt dadurch natürlich auch der Speicherbedarf noch mehr.
Wenn genügend Platz auf deiner Speicherkarte vorhanden ist, ist diese Kombination besonders für Einsteiger*innen sehr interessant.
Was passiert bei der Bildbearbeitung?
Stell dir vor, dein Foto ist leicht zu dunkel geworden.
Bei einem JPEG kannst du es zwar aufhellen.
Doch irgendwann entstehen:
- Bildrauschen
- fehlende Details
- flache Farben
Beim RAW bleiben deutlich mehr Reserven erhalten.
Deshalb arbeiten viele Landschafts- und Porträtfotograf*innen bevorzugt mit RAW.
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Der Weißabgleich als gutes Beispiel
Hast du schon einmal ein Bild aufgenommen, das plötzlich viel zu gelb oder zu blau wirkte?
Im JPEG lässt sich das zwar korrigieren.
Im RAW funktioniert das jedoch wesentlich verlustärmer.
Du kannst die Farbtemperatur oft problemlos verändern, ohne dass die Bildqualität leidet.
Typische Anfängerfehler
Fehler 1: Immer RAW fotografieren
RAW ist nicht automatisch die beste Wahl.
Lösung:
Überlege dir vor jeder Fotoserie, wie du die Bilder später nutzen möchtest.
Fehler 2: Nur JPEG fotografieren
Dadurch verschenkst du bei schwierigen Motiven viel Potenzial.
Lösung:
Bei besonderen Aufnahmen ruhig einmal RAW ausprobieren.
Fehler 3: Speicherplatz unterschätzen
RAW-Dateien benötigen deutlich mehr Platz.
Lösung:
Ausreichend große Speicherkarten und regelmäßige Datensicherung einplanen.
Fehler 4: RAW nicht bearbeiten
Wer RAW fotografiert, sollte die Dateien auch entwickeln.
Ansonsten wirken JPEGs oft zunächst attraktiver.
Übung 1: Das gleiche Motiv doppelt aufnehmen
Falls deine Kamera es unterstützt, fotografiere dasselbe Motiv:
- einmal als JPEG
- einmal als RAW
Bearbeite anschließend beide Bilder leicht.
Du wirst schnell erkennen, wie unterschiedlich sich beide Formate verhalten.
Übung 2: Schwierige Lichtverhältnisse testen
Suche dir ein Motiv mit starken Helligkeitsunterschieden.
Zum Beispiel:
- ein Fenster im Innenraum
- einen Sonnenuntergang
- einen Wald mit Sonnenstrahlen
Vergleiche anschließend, wie viele Details sich aus RAW und JPEG zurückholen lassen.
Warum Profis fast immer RAW verwenden
Professionelle Fotograf*innen möchten die maximale Kontrolle über ihre Bilder behalten.
RAW bietet genau diese Freiheit.
Sie entscheiden später selbst:
- über Farben
- Kontraste
- Schärfe
- Weißabgleich
- Dynamikumfang
Die Kamera trifft diese Entscheidungen nicht automatisch.
Für wen reicht JPEG vollkommen aus?
Viele Hobbyfotograf*innen werden mit JPEG jahrelang glücklich.
Vor allem dann, wenn sie:
- wenig bearbeiten
- hauptsächlich Erinnerungen festhalten
- Fotos direkt weitergeben möchten
Es gibt also kein „richtig“ oder „falsch“.
Entscheidend ist dein persönlicher Workflow.
Kleiner humorvoller Einschub 😉
RAW-Dateien sind ein bisschen wie ein ungebackener Kuchenteig.
Alles ist vorhanden – aber erst nach der richtigen Verarbeitung entsteht daraus etwas richtig Leckeres.
JPEG ist dagegen der fertig gebackene Kuchen vom Bäcker oder Supermarkt.
Du kannst ihn sofort genießen, hast aber kaum noch Möglichkeiten, die Zutaten zu verändern. 😄
Mini-Challenge: Finde dein Lieblingsformat
Fotografiere in den nächsten Tagen zehn Motive.
Wenn deine Kamera es erlaubt, speichere jedes Bild gleichzeitig als RAW und JPEG.
Bearbeite anschließend nur die RAW-Versionen.
Vergleiche danach:
- Welche Bearbeitung hat dir mehr Spaß gemacht?
- Welche Ergebnisse gefallen dir besser?
- Lohnt sich der zusätzliche Aufwand für deine Fotografie?
Notiere deine Erfahrungen.
Nach dieser kleinen Übung wirst du deutlich besser einschätzen können, welches Format am besten zu deinem fotografischen Alltag passt.
Fazit: Es gibt kein perfektes Bildformat
RAW und JPEG verfolgen unterschiedliche Ziele.
JPEG überzeugt durch:
- Geschwindigkeit
- einfache Handhabung
- geringe Dateigröße
RAW punktet mit:
- maximaler Bildqualität
- hoher Flexibilität
- großen Reserven bei der Bildbearbeitung
Für viele Hobbyfotograf*innen ist die Kombination aus beiden Formaten sogar die beste Lösung.
Probier verschiedene Möglichkeiten aus und entscheide dich für den Workflow, der am besten zu deinen Motiven und deinen Ansprüchen passt. Denn nicht das Dateiformat macht ein gutes Foto – sondern dein Blick für Licht, Motiv und den richtigen Moment.
Ausblick: Nächsten Dienstag
Im nächsten Beitrag schließen wir den Kreis zwischen Aufnahme und fertigem Bild.30
„Workflow: Vom Fotografieren bis zum fertigen Bild“
Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie ein sinnvoller Arbeitsablauf aussieht – vom Fotografieren über das Sortieren und Bearbeiten bis hin zur fertigen Bilddatei. So sparst du Zeit, arbeitest strukturierter und holst das Beste aus deinen Fotos heraus.
