Teil 13 des 35-teiligen Tutorial: Vom Handyknipser zu fortgeschrittenen Hobbyfotograf.
Übung macht den Meister
Du hast in den letzten Beiträgen viel über Blende, Verschlusszeit, ISO, Brennweiten und Fokus gelernt – jetzt wird es Zeit, alles zusammenzubringen. In diesem Beitrag zeige ich dir eine einfache, aber extrem wirkungsvolle Übung: Du fotografierst ein einziges Motiv in drei völlig unterschiedlichen Varianten. So verstehst du endlich, wie stark Kameraeinstellungen deine Bildwirkung verändern. Mit konkreten Beispielen, klaren Anleitungen und einer Mini-Challenge wirst du sofort sicherer im Umgang mit deiner Kamera. Wenn du vom „Knipsen“ zum bewussten Fotografieren wechseln willst, ist das genau der richtige Schritt.
Im letzten Beitrag ging es darum, wie du Fokus und Schärfe gezielt steuerst. Du hast gelernt, wie Autofokus funktioniert, wann manueller Fokus sinnvoll ist und wie Tiefenschärfe deine Bildwirkung beeinflusst. Dieses Wissen ist die perfekte Grundlage für die heutige Praxisübung, denn ohne gezielten Fokus bringt dir auch die beste Einstellung nichts. Wenn du den Beitrag noch einmal nachlesen möchtest, findest du ihn hier:
https://digitalfotos-bearbeiten.de/fokus-schaerfe-gezielt-steuern-autofokus-manuell-tiefenschaerfe/
Jetzt geht es darum, alles miteinander zu kombinieren – und genau das macht den Unterschied.
Warum diese Übung so wichtig ist
Viele Anfänger*innen lernen Fotografie theoretisch. Sie wissen, was Blende oder ISO bedeutet – aber sie sehen nicht, was wirklich passiert.
Und genau hier liegt das Problem.
Fotografie versteht man nicht im Kopf, sondern mit den Augen.
Wenn du ein Motiv immer nur auf eine Art fotografierst, fehlt dir der Vergleich. Du erkennst nicht, welche Möglichkeiten du eigentlich hast.
Diese Übung zwingt dich dazu, bewusst zu variieren. Und genau dadurch entwickelst du ein Gefühl für Bildwirkung.
Das Ziel: Ein Motiv – drei komplett unterschiedliche Bilder
Die Aufgabe ist einfach:
Du wählst ein Motiv.
Und fotografierst es dreimal – mit jeweils einem anderen Schwerpunkt.
Wichtig dabei:
Das Motiv bleibt gleich.
Nur deine Einstellungen ändern sich.
So siehst du direkt, welchen Einfluss deine Entscheidungen haben.
Schritt 1: Wähle ein geeignetes Motiv
Für diese Übung brauchst du kein spektakuläres Motiv.
Im Gegenteil – je einfacher, desto besser.
Geeignet sind zum Beispiel:
- Eine Tasse auf dem Tisch
- Eine Pflanze
- Eine Person
- Ein Gegenstand am Fenster
- Ein Detail im Raum
Wichtig ist nur:
Das Motiv sollte ruhig sein und sich nicht bewegen.
So kannst du dich voll auf die Einstellungen konzentrieren.
Schritt 2: Bild 1 – Fokus auf Hintergrundunschärfe
Hier arbeitest du mit einer offenen Blende.
Ziel:
- Hauptmotiv scharf
- Hintergrund unscharf
Einstellung:
- Blende: f/1.8 – f/3.5
- Verschlusszeit: automatisch oder angepasst
- ISO: möglichst niedrig
Achte darauf:
- Fokus liegt genau auf deinem Hauptmotiv
- Abstand zum Hintergrund ist möglichst groß
Ergebnis:
Ein Bild mit klarer Trennung zwischen Motiv und Hintergrund.
Typischer Einsatz:
Porträts, Detailaufnahmen, kreative Freistellung.
Schritt 3: Bild 2 – Fokus auf Bewegung oder Dynamik
Jetzt kommt die Verschlusszeit ins Spiel.
Ziel:
- Bewegung sichtbar machen oder einfrieren
Variante A: Bewegung einfrieren
- Verschlusszeit: 1/500 oder schneller
Variante B: Bewegung sichtbar machen
- Verschlusszeit: 1/30 oder länger
Wenn dein Motiv statisch ist:
Dann bring selbst Bewegung ins Spiel. Zum Beispiel:
- Hand durchs Bild bewegen
- Wasser laufen lassen
- vorbeigehende Person einbauen
Ergebnis:
Ein Bild, das Bewegung zeigt oder bewusst stoppt.
Schritt 4: Bild 3 – Fokus auf maximale Schärfe
Jetzt drehst du das Ganze um.
Ziel:
- möglichst viel im Bild scharf darstellen
Einstellung:
- Blende: f/8 – f/11
- ISO: niedrig
- Verschlusszeit: entsprechend angepasst
Achte darauf:
- Kamera ruhig halten oder Stativ nutzen
- Fokus sinnvoll setzen (z. B. mittig im Motiv)
Ergebnis:
Ein klares, detailreiches Bild mit großer Tiefenschärfe.
Typischer Einsatz:
Landschaften, Architektur, Übersichtsbilder.
Was du bei dieser Übung lernen wirst
Diese drei Bilder zeigen dir:
Wie stark die Blende die Bildwirkung verändert
Wie Verschlusszeit Bewegung beeinflusst
Wie Tiefenschärfe den Blick lenkt
Wie wichtig bewusste Entscheidungen sind
Und das Wichtigste:
Du entwickelst ein Gefühl dafür, wann du welche Einstellung einsetzen solltest.
Kleine ehrliche Beobachtung 😉
Beim ersten Versuch werden deine Bilder wahrscheinlich nicht perfekt sein.
Vielleicht ist:
- das Bild zu dunkel
- der Fokus falsch gesetzt
- die Bewegung nicht sichtbar genug
Und weißt du was?
Genau das ist der Sinn der Übung.
Fehler sind hier kein Problem – sie sind dein Lernwerkzeug.
Übung erweitern: Perspektive verändern
Wenn du die drei Bilder gemacht hast, geh einen Schritt weiter:
Fotografiere dasselbe Motiv noch einmal:
- von oben
- von unten
- seitlich
Kombiniere das mit deinen Einstellungen.
Jetzt wird es richtig spannend.
Du merkst plötzlich:
Nicht nur die Technik verändert das Bild – sondern auch dein Standpunkt.
All das hier aufgezeigte und vieles mehr findest du komprimiert in meinem Buch: Fotos, die wirken – Der Weg vom Smartphone zur Kamera.
Hier auf dem Blog findest du schon einige im Buch auch behandelte Themen. Aber nur im Buch mit Schritt für Schritt Anleitungen und über 200 Übungen erklärt. So kannst du an einem Ort dein Wissen aufbauen. Alles verständlich für Anfänger zum lernen und Nachschlagen.
Alle weiteren Info´s zum Buch findest Du hier.
Du kannst meine Buch einfach über Amazon als Taschenbuch oder eBook bestellen.
Mini-Challenge: Deine 3-Bilder-Serie
Jetzt wird es konkret.
Deine Aufgabe:
Wähle ein Motiv und erstelle eine kleine Serie aus 3 Bildern:
Bild 1: Freistellung (unscharfer Hintergrund)
Bild 2: Bewegung oder Dynamik
Bild 3: Maximale Schärfe
Regeln:
- Gleicher Bildausschnitt (so gut es geht)
- Bewusste Einstellung für jedes Bild
- Fokus gezielt setzen
Bonus:
Ordne die Bilder nebeneinander an und vergleiche sie.
Frage dich:
- Welches Bild gefällt dir am besten?
- Warum?
- Welche Einstellung hat die größte Wirkung?
Typische Fehler bei dieser Übung
Fehler 1: Einstellungen kaum verändert
→ Lösung: bewusst extreme Werte wählen
Fehler 2: Fokus vergessen
→ Lösung: Fokuspunkt aktiv setzen
Fehler 3: Licht nicht beachtet
→ Lösung: ISO oder Verschlusszeit anpassen
Fehler 4: Zu schnell aufgeben
→ Lösung: mehrere Versuche machen
Warum diese Übung so wertvoll ist
Du lernst hier etwas, das viele nie wirklich verstehen:
Fotografie ist Entscheidung.
Nicht die Kamera macht das Bild.
Nicht die Automatik macht das Bild.
Du machst das Bild.
Und genau dieses Bewusstsein entsteht nur durch Praxis.
Fazit: Ein Motiv – unendlich viele Möglichkeiten
Diese einfache Übung zeigt dir, wie viel Kontrolle du wirklich hast.
Du kannst:
- Hintergrund beeinflussen
- Bewegung gestalten
- Schärfe lenken
Und das alles mit nur drei Einstellungen.
Wenn du das verinnerlichst, bist du einen riesigen Schritt weiter.
Du fotografierst nicht mehr zufällig.
Du gestaltest bewusst.
Und genau das ist der Punkt, an dem Fotografie richtig Spaß macht.
Ausblick: Nächsten Dienstag
Im nächsten Beitrag schauen wir uns ein Thema an, das viele frustriert – aber unglaublich wichtig ist:
„Fehleranalyse: Deine ersten unscharfen oder überbelichteten Bilder verstehen“
Du lernst, warum Bilder misslingen, wie du Fehler erkennst und vor allem, wie du sie in Zukunft vermeidest.
Bis dahin:
Nimm dir ein Motiv – und entdecke, wie unterschiedlich ein einziges Bild sein kann.
